Voltigieren – Erzählung

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Doni stellt sich und Wotan vorHallo Leute
Ich bin Doni, der Neue. Die folgende Geschichte hat noch mein Vorgänger, Wotan, erzählt. Kurz danach hatte er einen Unfall auf der Koppel und kann seit dem nicht mehr Voltigierunterricht laufen. Deshalb wohnt er jetzt bei einer netten Frau, die sehr viel mit ihm spazieren geht. Wotan, danke für alles, mach’s gut.

Eine kleine Voltigiergeschichte

Hallo, darf ich mich vorstellen? Ich bin Wotan, ein 11-jähriger schwarzbrauner Hannoveraner Wallach, von Beruf Voltigierpferd.
Heute möchte ich dir gerne einmal erzählen, wie das mit dem Voltigieren in Rohr angefangen und sich entwickelt hat.

Losgegangen ist alles mit dem Ausruf: "Geh, Mädchen, ein bisschen mehr Schwung beim Aufsitzen. Ich glaube du solltest einmal voltigieren!"
Das ganze geschah irgendwann im Sommer 1985, als der damalige Reitlehrer der Reitanlage H. B. unserer heutigen Trainerin auf ein junges Pferd helfen wollte.
Wanjana, die braune Bayernstute, die normalerweise als Schulpferd eingestellt war, durfte nun umschulen und diente von jetzt ab als Voltigierpferd für eine kleine Gruppe „Freiwilliger“. Außer dem Reitlehrer, ein „Import“ aus dem Rheinland, hatte damals noch nie jemand etwas vom Voltigieren gehört. Aber das störte nicht. Ein einfacher Voltigiergurt mit Unterlage wurde auf Wanjanas Rücken geschnallt und schon ging es los: Grundsitz, Fahne, Mühle, Schere, Stehen und Flanke auf dem blanken Pferderücken.
Das war schon ein Balanceakt für die blutigen Neulinge. Doch es fanden sich immer mehr Mutige, die das auch probieren wollten.

Andreas erste Versuche an der LongeDann hieß es eines Tages: "Andrea, wenn ihr weiter voltigieren wollt, musst du das jetzt übernehmen."
So angespornt fand sich Andrea, gerade einmal 16 Jahre, dann mit der Longe in der einen und einem alten Voltigierbuch (anno 1964) in der anderen Hand in der Zirkelmitte, die sie bis jetzt nicht mehr verlassen hat.

Unter ihrer Leitung entwickelte sich eine ganz nette Gruppe welche die A / B - Pflicht recht ordentlich meisterte.
Natürlich gab es auch kleinere Unfälle. Ein kleiner blonder Lockenkopf kam mit gerade 5 Jahren zur Gruppe. Wollte auch mal probieren und - fiel prompt herunter. "Mei Hirn, Mei Hirn!" war das einzige was sie rief. Passiert war ihr nichts und in der nächsten Stunde war sie wieder da.
Andere Nebenerscheinungen waren: Es wurde nicht mehr normal aufgesessen, sondern man sprang einfach von hinten mittels Bocksprung auf das stehende Pferd (Voltigierpferd) oder, wird das Pferd zu schnell, in der Reitstunde oder im Gelände, nichts wie runter.

So lief es ganz gemütlich dahin, bis 1989 ein Reitlehrerwechsel anstand. Da die damalige Vorstandschaft des Vereins unser Voltigierpferd nicht übernehmen wollte, hieß es nun Abschied nehmen von Wanjna. Ein neues Voltigierpferd kam in den Stall, die Falbenstute Dunja und später zusätzlich der Haflinger Fritzel. Ein Problem war nur, dass wir nun auch keinen Voltigiergurt mehr hatten. Aber in der Not frisst der Teufel bekanntlich auch Fliegen und so bastelten wir uns selbst eine Notlösung (Longiergurt mit zwei "Griffen" aus geflochtenem Pressband!).

Das Gleichgewichtsgefühl der Kinder entwickelte sich rasant! Doch trotzdem, eine richtige Voltigierausrüstung wäre schon nicht schlecht. Doch es mangelte, wie so oft, an den Finanzen. Letztendlich stellte der Hauptverein die fehlende Summe zur Verfügung und die Gruppe bekam doch noch eine neue Ausrüstung.

Aber da, schon wieder ein neuer Reitlehrer. Die Ausrüstung blieb zwar in Andreas Besitz, jedoch mit dem Pferd war es schwieriger. "Wenn Ihr in der Reithalle voltigieren wollt, dann nur mit meinem Pferd!" waren die ersten Worte des neuen Reitlehrers W. R.. So trennte sich die Gruppe wieder einmal von ihrem Pferd, denn die Reithalle wollte keiner missen. Ab 1992 wurden diese Trennungen dann fast zur Gewohnheit.

Verkauft - Verkauft - VerkauftKaum ging Gigant vernünftig als Voltigierpferd - verkauft!
Mit Listas (1993) konnte die Gruppe nach dessen Ausbildung gerade noch eine Hufeisenprüfung in Bruckdorf absolvieren - wegen angeblichen Rückenproblemen verkauft!
1994 kam der 15-jährige Watzmann. Mit ihm schaffte es die Gruppe Rohr I dann tatsächlich zu ihrem ersten Turnierstart, wiederum in Bruckdorf! Doch Pech gehabt, dort saß schon der nächste Käufer und Watzmann ging nach Waldmünchen.

"Jetzt langt’s!!!" war nun der allgemeine Ausruf. Nachdem die Gruppe so weit gekommen war, wurde beschlossen irgendwie selbst ein Pferd anzuschaffen.

1995 stand dann der große 6-jährige Schimmel Dandy im Stall und es konnte tatsächlich ein Voltigiervater gefunden werden, der als Sponsor auftrat. Super! Dandy machte sich auch recht gut. Am 1. Juni 1995 startete die Gruppe mit ihm zum ersten Mal zu Hause (Verbandsmeisterschaften) und auch in Regen konnte sich Rohr I recht gut schlagen.
Aber das Schicksal meinte es nicht gut. Der Ankauf war so gut wie abgemacht, da verletzte sich Dandy auf der Koppel so schwer, dass ihm nicht mehr zu helfen war. Aber es musste weiter gehen.

Der Weg führte Andrea nun zu einem Händler und schnell war ein passendes Pferd gefunden - Van Duc.
Der allseits geliebte Van Duc verhalf der Gruppe Rohr I dann zu einer recht erfolgreichen Turniersaison 1996. Die Noten steigerten sich von 2,8 auf 4,4 in der Leistungsklasse D. Doch - NEIN, nicht schon wieder! Lahmheit - Diagnose Spat - Spritzen - 1 Jahr Koppel - Gruppe fällt komplett auseinander - Van Duc immer noch lahm - verschenkt (lebt heute auf einem Bauernhof bei Familie Faltermeier und es geht ihm blendend)!
War das das Ende der Voltigiergruppe Rohr? Wenn es nach Andrea gegangen wäre - ja ("Nicht schon wieder ganz von vorne!"). Doch der neue Vereinsvorstand bekniete Andrea nicht aufzugeben.

Wotan als jugendlicher WirbelwindUnd eines Tages, im Februar 1998, stand ich, gerade 6 Jahre alt, im Stall. Meine Besitzer kamen mit mir nicht zurecht und wollten mich unbedingt loswerden. Da hat sich Andrea meiner angenommen. Der Tierarzt konnte es bei der Ankaufsuntersuchung gar nicht fassen, dass ich als Voltigierpferd gehen sollte, so habe ich mich an der Longe aufgeführt. Und die hellen Bretter in der Bande zeugen noch heute von meinem jugendlichen Übermut. Aber mit viel Geduld und vor allem mit viel Zeit wurde aus mir und den ganzen kleinen Neulingen eine neue Turniergruppe Rohr I.

die heutige C-GruppeAus der kleinen Gruppe Freiwilliger (ca. 8 Mädchen) wurde im Laufe der Jahre die Abteilung Voltigieren des Hallertauer RuFV Rohr mit fast 50 Voltis, die heute das Vereinsleben mit verschiedensten Veranstaltungen beleben (Turniere, Spieletage, Kurse, Kindertage, Orientierungsritte, Reiterspiele etc.).


Liebe Grüße euer Wotan