Verein – Chronik
Die Geschichte des Hallertauer Reit- und Fahrvereins in Rohr beginnt 1961
Initiator für die Gründung war der aus dem Rheinland stammende Arnold Lichtschläger. Er hatte in Unteraichgarten einen landwirtschaftlichen Betrieb gepachtet und bewirtschaftete diesen. Der designierte Turnierreiter – er besaß drei Reitpferde: Soraya, Anita und Mara – animierte Herrn Walter Wadenspanner, Herrn Max Fischer und Herrn Dr. Konrad Lang bei einem Besuch auf seinem Hof zur Gründung des Reitvereins.
Im November 1961 war es dann soweit – im Gasthof Forster in Gisseltshausen fand die offizielle Vereinsgründung statt.
Der neu gegründete Verein zählte 27 Mitglieder. 1. Vorsitzender war Arnold Lichtschläger, 2. Vorsitzender Edmund Westermeier und Schriftführerin Frau Anni Lang.
Der Verein wird aktiv – die Anfänge des Reitunterrichts in Rohr (Januar 1962)
Oberstes Ziel des neuen Vereins war es zum einen Reitmöglichkeiten zu schaffen und zum anderen reitsportliche Veranstaltungen zu organisieren.
So fand im Januar 1962 der erste Reitkurs in der Scheune von Unteraichgarten statt. Die Leitung des Kurses lag in den Händen des Gestütswärters Huber aus Landshut. Geritten wurde auf Privatpferden, die von den umliegenden Bauern und Privatleuten, die zum Teil von sehr weit her kamen (Geisenfeld), zur Verfügung gestellt wurden. Durch diese Kurse, über die natürlich auch die Zeitungen berichteten, wurde Familie Langer aus Wildenberg auf den neuen Reitverein aufmerksam. Schon bald übernimmt Herr Langer den Vorsitz des Vereins und hier beginnt nun der Weg zum großen Reitsport...
Das erste große Spring- und Dressurturnier (Juli 1962)
Im Juli 1962 fand das erste große Spring- und Dressurturnier auf dem Sportplatz (heute Fußballplatz) in Rohr statt. Die Teilnehmer an diesem Turnier waren keine Profis, eher relative Reitanfänger. So wurde zur Vorbereitung noch schnell ein Reittraining von Oberreitlehrer Euringer LA in Wildenberg angeboten. Das Turnier war eine bunte Ansammlung von Pferden und Reitern. Es gab noch keine einheitliche Turnierkleidung und sowohl Reiter wie auch Pferde hatten keine oder kaum Turniererfahrung. Es wurde zum Teil ohne Eisen auf taunasser Wiese geritten. Einige Pferde gingen gar nicht in den Parcours hinein, andere – vermeintliche "S-Kracher" – nahmen die Hindernisse nur aus dem Trab oder gar aus dem Stand. Aber das spielte nur eine kleine Rolle. Das Vergnügen stand im Vordergrund. Die seither stattfindenden Turniere waren gesellige Veranstaltungen, auf denen jeder jeden kannte.
1963 wurde im Rahmen des Turniers sogar eine Geländeprüfung abgehalten und es standen in den ersten Jahren auch immer Fahrprüfungen auf dem Programm. Erst später, als die Kinder mit dem "Turnierreiten" begannen, kam das Wetteifern und etwas mehr Ernst hinzu.
Vergnügliches Vereinsleben
Neben dem Turnier und den Reitkursen fanden mehrfach organisierte Reitausflüge zu befreundeten Ställen, Gaststätten oder Privatleuten statt. Man traf sich, eine Gruppe ritt den Hinweg während die andere Gruppe für das leibliche Wohl sorgte. Nach der Pause wurde getauscht.
![]() "Rottenburger Anzeiger", 4.10.1967 Fotograf unbekannt |
Temperamentvolle Sprünge begeistern die Zuschauer der 5. Turnierveranstaltung des Hallertauer Reit- und Fahrvereins.
Die Siegerin der Springmeisterschaft wurde Elke Arendt, Reitclub Staubing. Sieger der Springmeisterschaft der Herren wurde Urban Witt, Verein Passau. Meister der Dressurreiter wurde Leo Welter, Verein Oberpiebing (Wertzahl 9,95).
![]() "Rottenburger Anzeiger", 6.10.1970 Foto: Ohlenberg und Krieger |
Der Einmarsch der teilnehmenden Reiter und Pferde bei der 9. Turnierveranstaltung des Hallertauer Reit- und Fahrvereins.
Es fanden 9 Prüfungen statt, die auf 2 Tage verteilt waren, z.B. eine Material- und eine Eignungsprüfung, Dressur- und Springprüfungen.
Der Bau der Reithalle (Fertigstellung 1972)
So vergingen die ersten Jahre des Hallertauer Reit- und Fahrvereins zwischen Scheune und Wiese, bis eines Tages der Vorstand, Herr Langer, eine alte Militärreithalle in Landshut geschenkt bekam. Geplant war, diese Reithalle abzubrechen und an einem neuen Standort wieder aufzubauen. Über den neuen Standort gab es langwierige Diskussionen. Als Alternativen standen Rottenburg, Pattendorf und Herrngiersdorf zur Debatte. Erst durch Herrn Langers Einsatz für den Standort Rohr wurde dieser akzeptiert. Doch gab es noch einen weiteren Interessenten für die alte Militärreithalle. Der Öl- und Kohlehändler Hofer aus Landshut bot dem Rohrer Reitverein als Ersatz Baumaterialien (Stahlträger, Steine etc.) zum Bau einer neuen vergleichbaren Halle an. Der Verein nahm das Angebot an, musste jedoch alles erst einmal beim Bräu Westermeier im Garten zwischenlagern, da die Grundstücksangelegenheiten noch ungeklärt waren (Gemeindegrund). Dann endlich konnte Franz Hofschuster sen. dazu gebracht werden, den Bau der Halle in Angriff zu nehmen. Hierzu waren erhebliche Erdarbeiten notwendig, welche von Herrn Marsell aus Mainburg kostenlos übernommen wurden (nur der Diesel musste gezahlt werden).1972 war sie dann fertig gestellt. Ursprünglich mit 20 x 40 Metern geplant, konnten die Mitglieder des Hallertauer Reit- und Fahrvereins Rohr nun eine Reithalle mit 66 x 25 Metern + 5 Meter Zuschauerraum ihr Eigen nennen. Damit war unsere Reithalle nach der Olympiareithalle in München die 2. größte in Bayern.
Der Ausbau der Rohrer Reithalle und Aufbau eines professionellen Reitbetriebes
Nach der Fertigstellung der Reithalle wurde etwa die Hälfte der Länge des Zuschauerraumes als provisorischer Stall eingerichtet (Ständer). Betrieben wurde der Stall von Herrn Albert Schönhuber.
Von nun an konnten die Reitkurse in vernünftigem Rahmen abgehalten werden und auch die Rahmenbedingungen für Turniere waren nach der Sanierung der "Sumpflochschrebergärten" – heutiger Springplatz – ideal. Auf Grund der Hallengröße fanden in den ersten Jahren häufig Verbandslehrgänge und privat organisierte Lehrgänge von den Spitzenreitern aus Bayern statt. Es wurden renommierte Reitlehrer wie zum Beispiel Rolf Bartels aus Braunschweig oder Dr. Benno von Bohrmann engagiert.
1978 veranlasste der damalige 1. Vorstand Herr Krause noch den Anbau des Stalles und die Errichtung der "Oberen Plätze", sprich Springabreitplatz, Dressurplatz etc. Nun konnten die Pferde aus ihrem anfänglichen Stall, der heutigen Tribüne, in einen, nach damaligen Maßstäben modernen Stall umziehen.
In späteren Jahren kamen dann noch die Koppeln und Paddocks sowie ein Reiterstübchen mit Geräteraum und Volti-Kammer hinzu.
![]() "Rottenburger Anzeiger", 1979 Fotograf unbekannt |
Auch das 17. Hallertauer Reit-, Spring- und Fahrturnier in Rohr war ein voller Erfolg. Es gingen 304 Pferde und 156 Reiter an den Start. Das Turnier ging über 3 Tage. Die gesamte bayrische Reiterelite kam nach Rohr, um an den verschiedenen Disziplinen teilzunehmen. Es fanden 15 Prüfungen statt, u.a. Materialprüfung für Reitpferde, Springprüfungen, Dressurprüfungen, Gebrauchsprüfung für Wagenpferde, Hindernisfahren für Zweispänner.
Das Vereinsleben heute
Das große Reit- und Springturnier konnte sich viele Jahre hindurch zu den größten Reitsportveranstaltungen in ganz Bayern zählen und internationales Reitpublikum begrüßen. Mehrfach wurden Bayernchampionate und diverse Meisterschaften ausgetragen.
Heute ist nun schon die nächste Generation in der Vorstandschaft tätig und es werden neben Reit- und Voltigierunterricht auch Veranstaltungen aus weiteren Bereichen des Reitsports angeboten. Neben dem traditionellen großen Springturnier und einem neuen Dressurevent etablieren sich langsam auch Voltigierturniere, Orientierungsritte und Geschicklichkeitsturniere sowie gelegentliche Zuchtveranstaltungen im Vereinsleben.



